Austrian artist, Karin Ziegelwanger, describes her particular creative technique as „collage painting and art without paint. During her studies at the University of Applied Arts in Vienna (Universität für angewandte Kunst), she was already addressing the fast-moving, abundant and artificial nature of the world of glossy magazines and leaned on this to develop her own individual style of collage painting. An entirely unique and personal technique, she uses Q-tips wetted with turpentine to dissolve the colours extracted from the magazines without resorting to external colouring agents. Simply by smearing and shifting the already existing printed colour, Karin Ziegelwanger creates her own world of images which allows the viewer to discover multiple levels of interpretation that fascinate both in terms of content and form. In the same way that a stone skims the surface of water and creates ripples, the artist creates shifts within the printed pages of the magazine. She succeeds in mixing these, producing new organic colour structures, and reducing, condensing and joining these together.

The fast-moving pace and richness of the world of glossy magazines therefore undergoes a complete metamorphosis. Through her art, Karin Ziegelwanger addresses the transience of all forms. Her personal motives are developed from the mass production which is characteristic of glossy magazines. Time and form are put into perspective, thus I is discovered and conserved in We. In this way, the ever-increasing mass of images issuing from the world of magazines become (once again) unique.

 

„Collagemalerei“ und „ohne Farbe malen“ nennt die österreichische Künstlerin Karin Ziegelwanger ihre indiviuelle Praxis. Während des Studiums der Malerei an der Universität für angewandte Kunst in Wien begann Sie sich mit der Schnelllebigkeit, Fülle und Künstlichkeit der Hochglanzmagazinwelt zu beschäftigen und entwickelte daraus ihre eigene Maltechnik der „Collagemalerei“. Mit Wattestäbchen und Terpentin löst sie Magazincollagen auf, ohne externe Farbmittel zu verwenden. Einzig durch das Verwischen und Verschieben der bereits vorhandenen Druckerfarbe formt Karin Ziegelwanger ihre Bilderwelten, die auf unterschiedlichen optischen und inhaltlichen Ebenen faszinierende Mehrdeutigkeiten entdecken lassen. Als wenn ein Stein auf eine Wasseroberfläche trifft und dabei Wellen schlägt, ist es der Künstlerin möglich, innerhalb der gedruckten Magazinseiten Verschiebungen zu erzeugen, zu mischen, neue organische Farbgefüge herzustellen, zu reduzieren, zu verdichten und zu vereinen.

Die Schnelllebigkeit und Fülle der Hochglanzmagazinwelt erfährt eine komplette Metamorphose. Karin Ziegelwanger thematisiert die Vergänglichkeit aller Formen. Ihre persönlichen Motive werden aus der Massenware Hochglanzmagazin geformt, Zeit und Inhalt relativiert, das eigene „Ich“ im „Wir“ entdeckt und konserviert. Die inflationären Bildermassen der Magazin-Welten werden (wieder) zum Unikat.

 

Genese:

Nach ihrer grafischen Ausbildung, Selbständigkeit und Studium der Malerei an der Universität für Angewandte Kunst Wien (Meisterklasse Christian Ludwig Attersee & Judith Eisler) mietete Karin Ziegelwanger einen stillgelegten Bahnhof („die Malerei am Bahnhof") und entzog sich damit zunächst dem gängigen Kunstbetrieb. Sie verordnete sich selbst Konzentration, Fokus und das Gewähren von Zeit und Aufmerksamkeit für und auf das eigene Künstlerinnen-Ich. Ausgehend von der Ölmalerei folgten – sowohl auf inhaltlicher als auch auf technischer Ebene – Experimente, Versuche und Reisen zu den ersehnten flow-Momenten, in denen das Schaffen und die Betrachtung einander berühren und bewegen. Die Beschäftigung und Erfahrung mit „Zeit“ spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle und prägt die Ästhetik der Werke von Karin Ziegelwanger.

„In den vergangenen drei Jahren habe ich mich mit unterschiedlichen bildnerischen Techniken ehrlich und direkt befasst und herausgefunden auf welche Weise sie mir entsprechen. Ich habe mich mit meiner beruflichen Vergangenheit als Verlagsgrafikerin auseinandergesetzt – einer ständigen Konfrontation mit Schnelllebigkeit, Oberflächen-Erschaffung und Künstlichkeit. Die logische Konsequenz ist die Beschäftigung mit der ZEIT-schrift, den Hochglanzmagazinen als „Rohstoff“ meiner künstlerischen Praxis und Basis meiner Intervention. Unsere Lebenssysteme und Strukturen sind (anfangs) nicht frei wählbar: der Körper, die Familie, die Orte und Räume … Wir leben in einer gesampelten Zeit, bauen immer auf Bestehendes auf. Es gibt ein Dahinter, Davor und Danach – alles unterliegt einer ständigen Veränderung.“

Aus diesem Erleben entwickelte Karin Ziegelwanger ihre eigene Maltechnik „Collagemalerei“, die ohne das Zutun von Farbmitteln auskommt. Collagen aus Hochglanzmagazinen bilden mit den bereits vorhandenen gedruckten Farben die Farbpalette für ihre Bilder („Living in a Magazine"). Einzig durch das Verwischen und Verschieben der bereits vorhandenen Druckerfarben mittels Wattestäbchen und farblosen Lösungsmittel (Terpentin) werden neue Bilderwelten geformt, die auf unterschiedlichen optischen und inhaltlichen Ebenen Mehrdeutigkeiten entdecken lassen. So wird die zuvor durch Hochglanzmagazin-Collagen erstellte Komposition von Vorhandenem und das Neue als stets malerisch gegenständliche Intervention der Künstlerin zu einer Metapher auf das Leben an sich. Durch diesen einzigartigen Mal-Prozess der Manipulation vorhandener gedruckter Farboberflächen passiert Tod und Geburt auf derselben Ebene im gleichen Moment.